Neue Fed, neue Spielregeln? Was Kevin Warsh für Zinsen, Dollar und Anleihen bedeuten könnte
02.07.2026
Neue Fed, neue Spielregeln? Was Kevin Warsh für Zinsen, Dollar und Anleihen bedeuten könnte
Autor - Andreas Weidinger
Mit der Ernennung von Kevin Warsh an die Spitze der US-Notenbank im Mai 2026 könnte sich die Geldpolitik der Federal Reserve (FED) deutlich ändern. Warsh wurde im Jänner 2026 von Präsident Donald Trump nominiert. Trump selbst hatte seit seiner Wiederwahl die amerikanische Notenbank gedrängt, die Leitzinsen zu senken, und führte einen offenen Streit mit seinem Vorgänger Jerome Powell über diese Politik. Bis Ende Februar bestand an den Märkten die Hoffnung, dass die Leitzinsen bis Jahresende unter einem neuen FED-Chef weiter gesenkt würden.
Der Konflikt im Persischen Golf, die daraus resultierenden steigenden Ölpreise und die wieder ansteigende Inflation machten diese Hoffnungen jedoch zunichte. Zinssenkungen rückten wieder in weite Ferne, und es galt erneut das Motto „higher for longer“ (höher für längere Zeit). Was kann von der „neuen FED“ erwartet werden?
Warsh, der sich nicht als Marionette von Donald Trump darstellen lassen wollte, brach bei seiner Pressekonferenz nach der Sitzung am 17. Juni mit einigen bisherigen Gewohnheiten. Die Leitzinsen blieben wie erwartet unverändert. Er kündigte jedoch an, die sogenannten Dot-Plots abzulehnen. Dabei handelt es sich um anonyme Punktediagramme, aus denen die Zinserwartungen der FED-Mitglieder für die Zukunft abgeleitet werden können und die vom Markt häufig als Orientierungshilfe genutzt werden. Eine Forward Guidance, also eine Prognose zur zukünftigen Zinspolitik, wurde ebenfalls nicht kommuniziert. Warsh stellte jedoch fest, dass sich die Meinungen der stimmberechtigten Mitglieder rasch ändern könnten.
Verkürzte Bilanz
Darüber hinaus kündigte Warsh fünf Arbeitsgruppen innerhalb der FED an, die bis Jahresende Vorschläge zur Änderung verschiedener Themen erarbeiten sollen. Zu diesen Themen gehören die Kommunikation der FED, die FED-Bilanz (mit Fokus auf Vor- und Nachteile des aktuellen Systems reichlicher Reserven), Datenverwendung und -zuverlässigkeit, Produktivität und Beschäftigung sowie die Inflationsbetrachtung. Warsh selbst setzte keinen Schwerpunkt auf eines dieser Themen. Aus der Vergangenheit ist jedoch bekannt, dass er kein Befürworter einer ständigen Ausweitung der FED-Bilanz war, um Krisen abzufedern, sondern eher eine Verkleinerung anstrebt. Er warnte bereits vor längerer Zeit vor den Auswirkungen des Quantitative Easing (QE), also dem Aufkauf von Anleihen durch die Notenbank zur Versorgung der Wirtschaft mit günstiger Liquidität, und dem damit verbundenen Aufblähen der FED-Bilanz. Dies könnte als Signal für höhere Zinsen an den Anleihenmärkten verstanden werden. Während der Pressekonferenz entstand zudem der Eindruck, dass die Preisstabilität angesichts der guten Konjunktur und des stabilen Arbeitsmarktes das wichtigste Ziel der amerikanischen Notenbank sei. Warsh betonte, dass der Offenmarktausschuss für Preisstabilität stehe und diese auch liefern werde, da höhere Preise eine Belastung für die Bevölkerung darstellen.
Diese Aussagen wurden von den Märkten als sehr restriktiv interpretiert. Infolgedessen stiegen die Leitzinserwartungen deutlich an. Während am Tag vor der FED-Sitzung am 17. Juni noch keine Zinserhöhung eingepreist war, lagen die Erwartungen am Folgetag zwischen einer und zwei Erhöhungen. Die Renditen von Staatsanleihen mit Restlaufzeiten von sechs Monaten bis zu drei Jahren stiegen um zehn Basispunkte oder mehr. Die Renditen zehnjähriger Anleihen blieben vom 16. bis 18. Juni nahezu unverändert, während die Renditen für 20-jährige und länger laufende Anleihen leicht sanken (Quelle: Bloomberg, 25.6.2026). Dies deutet darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der FED durch die Ernennung Warshs nicht beeinträchtigt wurde und die Unabhängigkeit der Notenbank weiterhin besteht.
Unsere Investmentstrategie
Die Erwartung höherer Leitzinsen im US-Dollar sowie eine mögliche Ausweitung der Zinsdifferenz zwischen USD und EUR führten dazu, dass der US-Dollar gegenüber dem Euro aufwerten konnte. Während der USD/EUR-Wechselkurs vor der FED-Zinsentscheidung noch bei 1,16 lag, wertete der US-Dollar zwischenzeitlich auf unter 1,14 auf und notiert derzeit bei 1,14 (Quelle: Bloomberg, 25.6.2026). In der Kathrein-Investmentstrategie wurde daher die USD-Absicherung reduziert. Zudem bleiben wir im Laufzeitenbereich bei zwei- und fünfjährigen amerikanischen Staatsanleihen untergewichtet.
Disclaimer
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