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SpaceX – IPO als Stimmungsbarometer

02.07.2026

SpaceX – IPO als Stimmungsbarometer

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Autor - Stefan Neubauer

Der Rekordbörsengang von SpaceX hat ein kurzes Kursfeierwerk gezündet, um dann innerhalb von 2 Wochen wieder zum Ausgabepreis zurückzukehren. So weit, so gewöhnlich – Volatilität ist nach dem Börsengang eines Unternehmens regelmäßig zu beobachten. Noch mehr in diesem Fall, es wurden lediglich 5 % der Aktien beim IPO zum Kauf angeboten. Die ambitionierte Bewertung des Unternehmens, das im letzten Jahr fast 5 Mrd. USD Verluste schrieb, hat dem Interesse der Investoren keinen Abbruch getan.  Denkt man an andere Tech-IPOS wie Snap Inc. 2017 oder auch das Debut von Facebook (jetzt als Meta gelistet) 2012, die beide 50 % oder mehr an Wert in den ersten Monaten verloren. In den ersten fünf Tagen an der Börse wurde die Aktie massiv gehandelt, dieser Trend ist zurückgegangen (Bloomberg, 30.6.2026). Die Aufnahme von SpaceX Ende Juni in Indizes von MSCI und Russell stützte den Kurs, die Aufnahme in den Nasdaq wird rund um den 7. Juli erfolgen. Weitere IPOs sind für 2026 zu erwarten, man kann es als positiven Stimmungstest werten oder aber auch als Bärenmarktindikator.

Timing the market

Aktienmärkte notieren nahe am Allzeithoch, der KI-Boom hat die Risikobereitschaft zurückgebracht, und strategische Technologiethemen werden von Investoren zunehmend nicht nur als Wachstumsfelder, sondern als Infrastruktur der Zukunft verstanden. Genau daraus entsteht die Fantasie: Wer in solche Börsengänge investiert, kauft nicht nur eine Aktie, sondern den Zugang zu einem langfristigen Zukunftsnarrativ.

Für die emittierenden Unternehmen ist ein solches Umfeld ideal. Für Anleger ist es ambivalenter. Ein Börsengang ist aus Sicht eines Unternehmens vor allem ein Finanzierungsinstrument. Unternehmen gehen typischerweise dann an die Börse, wenn Kapital verfügbar ist, die Risikobereitschaft hoch ist und die eigene Bewertung attraktiv erscheint. Raiffeisen Research weist darauf hin, dass IPO-Phasen historisch häufig mit hohen Marktbewertungen zusammenfallen. Der Zusammenhang ist einfach: Je höher die Bewertung, desto niedriger sind die Eigenkapitalkosten für das Unternehmen. Für Anleger bedeutet dieselbe hohe Bewertung allerdings, dass ein großer Teil der künftigen Wachstumserwartungen bereits im Preis enthalten sein kann.

IPOs folgen daher einer eigenen Marktlogik. Sie sind nicht automatisch attraktiv, weil ein Unternehmen bekannt, innovativ oder strategisch wichtig ist. Sie entstehen oft genau dann, wenn die Erzählung besonders stark und die Zahlungsbereitschaft besonders hoch ist. Bloomberg Intelligence (12. 6. 2026) zeigt in einer Analyse von 380 thematischen IPOs über den Zeitraum 2014 bis 2026, dass die stärksten Kursgewinne häufig sehr früh entstehen, teils innerhalb der ersten Wochen nach dem Listing. Danach folgt oft eine Phase der Normalisierung, in der Berichtspflichten, Quartalszahlen, Bewertungsvergleiche und Lock-up-Fristen stärker ins Gewicht fallen. Nach rund sechs Monaten notiert laut Analyse nur noch gut die Hälfte der untersuchten IPOs über dem Ausgabepreis. Erst längerfristig verbessert sich das Bild wieder, wenn Geschäftsmodelle reifen und Profitabilität sichtbarer wird.

Gerade bei thematischen Wachstumsunternehmen hängt die Entwicklung stark vom Kapitalmarktumfeld ab. In Phasen niedriger Zinsen werden künftige Gewinne höher bewertet, was wachstumsstarke Unternehmen unterstützt. Steigen die Zinsen, kehrt sich dieser Mechanismus um. Lange Gewinnpfade verlieren an Wert, und Unternehmen ohne kurzfristige Profitabilität geraten stärker unter Druck. Wer in einen IPO investiert, kauft daher nicht nur ein Unternehmen, sondern auch das jeweilige makroökonomische Umfeld.

Passiv ins All

Bei Mega-IPOs kommt zusätzlich die Indexmechanik hinzu. Sehr große Börsenneulinge können für Indexanbieter so relevant werden, dass ihre Aufnahme in wichtige Aktienindizes beschleunigt wird. Solche „Fast Entry“-Mechanismen führen dazu, dass ETFs und Indexfonds die Aktie kaufen müssen, sobald sie Teil eines relevanten Index wird. Diese Nachfrage entsteht unabhängig von der Bewertung. Besonders stark kann der Effekt sein, wenn die Marktkapitalisierung hoch, der tatsächlich frei handelbare Streubesitz aber vergleichsweise gering ist. Dann trifft indexgetriebene Nachfrage auf begrenztes Angebot. Das kann den Kurs kurzfristig unterstützen, macht einen Mega-IPO aber nicht automatisch zum Selbstläufer. Nach der Indexaufnahme ist der technische Kaufimpuls verarbeitet; später können zusätzliche Aktien auf den Markt kommen, etwa nach dem Ende von Haltefristen.

Begeisterung hat ihren Preis

Dass 2026 eine besonders starke IPO-Phase werden dürfte, hängt auch mit der langen Pipeline aus den privaten Märkten zusammen. Private-Equity- und Venture-Capital-Investoren haben über Jahre zahlreiche Wachstumsunternehmen außerhalb der Börse finanziert. Bei sehr hohen Bewertungen werden weitere private Finanzierungsrunden schwieriger, Übernahmen sind angesichts der Größe vieler Kandidaten weniger wahrscheinlich, und der öffentliche Kapitalmarkt wird wieder zur naheliegenden Exit- und Finanzierungsroute. Für Unternehmen und frühe Investoren ist das rational. Für neue Aktionäre ist es jedoch nicht automatisch attraktiv. Die Schlussfolgerung ist einfach: Ein IPO ist kein Geschenk des Marktes, sondern ein Angebot, das geprüft werden muss. Entscheidend ist nicht allein die Qualität der Geschichte, sondern die Attraktivität des Preises. Gerade wenn ein Unternehmen schon kurz nach dem Börsengang als künftige Börsenlegende gehandelt wird, ist Disziplin wichtiger als Begeisterung.

Diese Begeisterung kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Raiffeisen Research hat einen Blick auf IPO-Volumen und Bärenmärkte geworfen (12.6.2026). Seit 1970 waren neun Bärenmärkte im MSCI World zu beobachten, bei sieben davon gab es davor einen „drastischen“ Anstieg von Börsengängen. Dazu sollte man auf die Kursentwicklungen achten, geht die Euphorie zu weit, ist ein böses Erwachen nicht auszuschließen.

Disclaimer

Hierbei handelt es sich um eine Marketingmitteilung der Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft im Sinne des Wertpapieraufsichtsgesetzes 2018 und dient ausschließlich der Information. Diese Information hat das Ziel, eine allgemeine Übersicht über aktuelle Marktdaten sowie die Marktmeinung der Kathrein zu geben und beinhaltet keine direkte oder indirekte Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie im Sinne einer Finanzanalyse. Bei der Anlage in Wertpapiere sind Kursschwankungen aufgrund von Marktveränderungen jederzeit möglich. Angaben und Darstellung mit Bezug auf die Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Ergebnisse zu. Für die Richtigkeit der Daten kann trotz sorgfältiger Recherche und Erfassung keine Haftung oder Garantie übernommen werden.

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