Investieren in der Zeitenwende

20.09.2022

Investieren in der Zeitenwende

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Investieren in der Zeitenwende

Am 19. September ging der Kathrein Talk 2022 in der Wipplinger Straße über die Bühne. Ein in dieser Zusammensetzung bisher einmaliges Panel, bestehend aus Monika Rosen, Kapitalmarktexpertin, Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung und Harald Holzer, Chief Investment Officer der Kathrein Privatbank widmete sich der Frage, wie man in diesen turbulenten Zeiten sein Geld am besten anlegt.

IMG 3320 v2 © Christian Helmenstein - Chefökonom der Industriellenvereinigung

Hart oder weich?

Christian Helmenstein erörterte, dass durch die „Kumulation von Großkrisen“ wie Covid, dem Krieg in der Ukraine und der hochschießenden Inflation eine extreme Knappheit an allem herrsche, an Rohstoffen, an Fertigteilen, an Energie, an Arbeitskräften. Diese Knappheit stelle für ihn die Zeitenwende dar. Wirtschaften, also der intelligente Umgang mit Ressourcen, wird daher wieder ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsfaktor werden. Das Einzige, das noch nicht knapp geworden sei, ist das Kapital. Warum? Durch digitale Geschäftsmodelle ist in vielen Branchen weniger Kapital notwendig, um Erträge erwirtschaften zu können. Die Frage, die sich Investoren nun stellen sollten, ist: Was bedeutet diese Knappheit für mein Portfolio? Es gilt, die Unternehmen zu identifizieren, die in diesem Umfeld besser zurechtkommen und v.a. auch zukunftsträchtige Geschäftsmodelle vorweisen können, „die Schaufelmacher des 21. Jahrhunderts“. Ein Verweis, dass während des Goldrausches nur wenige Goldsucher reich wurden, aber diejenigen, welche die Ausrüstung dafür zur Verfügung stellten, am meisten profitierten.

Harald Holzer präsentierte zwei mögliche Szenarien für die weitere Entwicklung an den Märkten. Grundsätzlich ist die Kathrein Privatbank, aktuell defensiv positioniert, vorsichtig optimistisch. In einem ersten Szenario eines „soft landing“ würde die Inflationsrate bis Ende 2023 auf 2,7 % zurück – sowohl in den USA als auch in Europa, die Unternehmensgewinne tendieren dann wieder nach oben und eine tiefe Rezession kann vermieden werden. Das zweite, pessimistische Szenario würde weitere massive Zinsschritte in den USA bedeuten, da die Inflation nicht eingedämmt werden kann. Welches der beiden Szenarien eintritt, ist aktuell schwer vorhersehbar. Wir tendieren allerdings aufgrund der aktuellen Gemengelage eher zum optimistischen Szenario.

Monika Rosen hielt fest, dass die FED weiter die Zinsen anheben wird, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Da die Beschäftigungsquote in den USA nach wie vor stabil ist, wird die Politik vorerst nicht einschreiten. Weiters, führte Helmenstein aus, dass eine Rezession in den USA noch nicht an den globalen Märkten eingepreist sei. Eine Rezession in den USA würde daher ein „hard landing“ bedeuten, das mit einem längerdauernden Bärenmarkt einherginge. Faktoren wie der Ausgang der Midterm-Wahlen in den USA Anfang November könnten dabei ebenfalls eine Rolle spielen, wie Monika Rosen anmerkte.

Monika Rosen © Monika Rosen-Philipp - Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

Goldene 20er-Jahre?

Im Moment raten alle drei Panelisten zur Vorsicht beim Einstieg an den Märkten, da eine harte oder weiche Landung schwer zu prognostizieren ist. Dennoch, so ist zumindest Christian Helmenstein überzeugt, könnte es mittelfristig ein goldenes Zeitalter werden. Die Rohstoffpreise sollten im nächsten Jahr deutlich nachgeben, die Löhne und Gehälter aufgrund eines Arbeitskräftemangels anziehen, dadurch bliebe die Nachfrage hoch und der Umstieg auf eine grüne Wirtschaft berge enormes Potenzial für Unternehmen. Für Monika Rosen birgt dieses Szenario das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale, welche die Inflation verfestigen würde. Und von der Inflation hänge eben die Entwicklung an Märkten massiv ab. Bei länger anhaltenden Inflationsraten über 4 % würden die Aktienmärkte stark unter Druck geraten. Harald Holzer führte abschließend aus, dass die Kathrein während dieses Jahres mit ihrem defensiven Kurs sowohl im Anleihen- als auch im Aktienbereich die richtige Entscheidung getroffen hat und somit den Markt outperformt hat. Man werde dabei bleiben, solange sich nicht deutliche Signale für eine positive Entwicklung abzeichnen.

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