Zentralbanken – quo vadis?

Börsenkommentar

30.08.2022

Zentralbanken – quo vadis?

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Autor - Andreas Weidinger

Die Erholung an den Aktienmärkten und an den Anleihenmärkten seit Mitte Juni hat vorerst ein jähes Ende gefunden. Die Aussicht auf ein Ende der Zinssteigerungen hat sich leider nicht bestätigt. Diese Hoffnung wurde spätestens mit der Rede von Fed-Chef Jerome Powell beim Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole vergangene Woche am Freitag zu Grabe getragen. Die Aktienbörsen schlossen letzte Woche am Freitag mit einem deutlichen Minus (S&P 500 – 3,37%) und auch diese Woche hat sich diese Bewegung fortgesetzt (Nikkei -2,66%).

Sinkende Rohstoffpreise sind vorerst passé. Die Hoffnung, dass wir die Höchststände bei den Inflationsraten bereits hinter uns haben, scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Gekoppelt damit nimmt die Schärfe der Notenbankrhetorik zu. Man hat angekündigt, dass eine restriktive Geldpolitik für einige Zeit notwendig sein werde, um die Inflationsängste zu dämpfen, die Preise zu stabilisieren und vor allem den Inflationserwartungen ein Ende zu setzen und diese nicht noch mehr zu entfachen. Wobei die Schärfe an Rhetorik sowohl jenseits als auch diesseits des Atlantiks zugenommen hat.

In den U.S.A. wird mit Leitzinsen von über 3% bis in das Jahr 2027 und darüber hinaus gerechnet. Zumindest kann man das an den Derivatsmärkten beobachten. Auch für den Euro plädieren immer mehr EZB-Mitglieder für eine Anhebung des Leitzinses um 75 Basispunkte bei der Sitzung am 8. September. Die Zeit einer sehr zögerlichen Geldpolitik seitens der EZB scheint damit vorbei zu sein und man scheint immer mehr zum Schluss gekommen zu sein, dass es auch in Europa einer deutlich restriktiveren Geldpolitik bedarf, um auch hier dem Inflationsgespenst Einhalt zu gebieten.

Im Fokus der Zentralbanken ist damit wieder die Inflationsbekämpfung – die Sorge um die Konjunkturentwicklung ist in den Hintergrund getreten. Nicht aber so an den Aktienmärkten, dort sind die Konjunktursorgen wieder im Vordergrund und damit gekoppelt allfällige Rezessionsängste und in weiterer Folge die Angst vor fallenden Unternehmensgewinnen. Die positive Stimmung der vergangenen Wochen scheint damit vorerst verflogen zu sein und das negative Sentiment beherrscht momentan die Marktteilnehmer.

Einmal mehr geben die Notenbanken den Ton an den Kapitalmärkten an und setzen damit die Rahmenbedingungen, wobei die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen die Hoffnungen auf ansteigende Aktienmärkte und Anleihenmärkte dämpft. Dazu gesellt sich die Aussicht darauf, dass die Leitzinsen über eine längere Periode höher sein werden, zumindest länger als noch vor sechs Monaten viele erwartet haben und wie wir ja wissen: Erwartungen über die Zukunft bestimmen das Geschehen an den Börsen!

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