Alle Augen auf die EZB

Börsenkommentar

11.07.2022

Alle Augen auf die EZB

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Diesen Donnerstag soll bei der EZB-Sitzung "endlich" - eine Zinsanhebung bekanntgegeben und umgesetzt werden. Die letzte Zinsanhebung ist mehr als zehn Jahre her, seit damals ging es nur bergab. Ab September 2019 lag der Einlagensatz unverändert bei -0,50%. Mit dem Beschluss zur Beendigung der Anleihenankäufe bei der Juni- Sitzung haben die europäischen Notenbanker den Weg zu einer Zinserhöhung frei gemacht und sich auch gleichzeitig dafür ausgesprochen, dass diese ein Ausmaß von 25 Basispunkten haben wird. Jetzt stellt sich die Frage „Reicht das?“ Diese Frage ist nicht neu. Sie wurde bereits im Juni gestellt, nachdem nahezu weltweit alle Notenbanken seit dem Frühjahr in den Zinsanhebungszyklus übergegangen sind. Beispielsweise hat die US-Fed bereits drei Zinsanhebung im Ausmaß von 150 Basispunkten umgesetzt und selbst die Schweizer Nationalbank hat Mitte Juni den Leitzins um 50 Basispunkte auf -0,25% angehoben.

 

Die Frage hat aber an Aktualität gewonnen, da in der letzten Woche die kanadische Notenbank ihren Leitzins in einem überraschend großen Schritt von 1,50% auf 2,50% angehoben und damit dem „Falken“-lager Unterstützung geboten hat. Das Ausmaß zeigt eine Tendenz zum sogenannten „front load“, wie sie auch von der US-Fed umgesetzt wird. Was bedeutet das? Die Inflationszahlen sind bekanntlich auf sehr hohem Niveau und die Notenbanken sind damit gezwungen, ihre Zinsen anzuheben, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Üblicherweise erfolgen die Zinsanhebungen in solchen Szenarien graduell über die nächsten Monate. Da aber das Rezessionsgespenst immer stärker – und aufgrund der Gaslieferungsthematik insbesondere in Europa – in den
Vordergrund rückt, besteht die Gefahr, dass die Notenbanken – und eben auch hier im Speziellen die EZB – das gewünschte Zinsniveau erst erreichen, wenn auf der anderen Seite der Wirtschaftsabschwung bereits spürbar wird. Jedoch wäre dadurch der Handlungsspielraum der Notenbank eingeschränkt, auch wenn das oberste Ziel die Inflationsbekämpfung ist.

 

Daher die Überlegungen zum „front load“: Mit dieser Maßnahme fallen die Zinsanhebungen bereits am Anfang des Zyklus stärker aus. Damit wird ein Sicherheitspolster verschafft, welches vermeiden soll, in Verzug zu geraten, wenn die Rezession bereits eingetreten ist. Bei der EZB ist auch noch zu bedenken, dass die nächste reguläre Sitzung erst wieder im September ist – dafür wird zwar derzeit ein Zinsschritt in Höhe von 50 Basispunkten erwartet, aber die Überlegung ist eben, ob ein solcher nicht bereits diesen Donnerstag erfolgen sollte. Analog dazu wird auch für die US-Fed, bei ihrer Sitzung am Mittwoch in eineinhalb Wochen spekuliert, dass der Zinsschritt mit 100 Basispunkten bedeutender ausfallen könnte als die bisher erwarteten 75 Basispunkte. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird aktuell leicht höher eingeschätzt als für den halben Prozentpunkt der EZB am Donnerstag.

 

Ein weiteres Thema, dass die EZB am Donnerstag beschäftigen wird, ist das bereits angekündigte Programm zur Eindämmung der Fragmentierung der Renditen der Euro-Staaten, welches aufgrund der akuten Krise von Italiens Regierung dringender benötigt wird als zuletzt erwartet.

 

Somit... alle Augen auf die EZB!

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